Migrantenkinder: Chance für Deutschland

Deutschland braucht bei überaltender und schrumpfender Bevölkerung das Potential der Kinder mit Migrationshintergrund.

Jetzt, im Mai 2009, ist die Untersuchung des Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung (http://www.berlin-institut.org/fileadmin/user_upload/Zuwanderung/Integration_RZ_online.pdf) mit ihren bestürzenden Ergebnissen wenige Monate alt. Mit neuen Untersuchungsansätzen wurde die Integrationsleistung nach Bundesländern, nach Herkunft und dann weiter nach Bildung, Absicherung, Dynamik, Erwerbsleben, Assimilation und in einer Gesamtbewertung untersucht.

Unterschieden wurde dabei die Integrationsleistung für Bürger aus den  weiteren Ländern der EU, Aussiedler, aus dem fernen und nahen Osten, Südeuropa, Afrika, dem ehemaligen Jugoslawien und der Türkei, die mit 1,8 Millionen von 6,5 Millionen die größte Gruppe ausmacht.

Das erschreckende ist: Bürger türkischer Herkunft liegen in allen Ergebnissen abgeschlagen auf dem letzten Platz, oder anders gesagt: die Bundesrepublik hat in der Integration dieser Bürger über Jahrzehnte hinweg versagt.  Neben allen Problemen des gesellschaftlichen Zusammenlebens bedeutet dies aber auch, dass Deutschland bei rasch überaltender und ohne Einwanderung schrumpfender Bevölkerung es sich schlicht nicht leisten kann, auf das Potential der Generationen nach der Gastarbeitergeneration zu verzichten. Oder noch anders gesagt: Wenn Kinder von Migranten schlecht ausgebildet sind, dann kosten sie den Staat viel Geld, das die Bertelsmann-Stiftung als Preis für verfehlte Integration mit bis zu 16 Milliarden Euro pro Jahr beziffert.

Vor diesem Hintergrund sind die beinahe täglichen Erfahrungen der Mitarbeiter und Helfer des Instituts zu sehen, wenn wir um die Missstände der Schul- und Ausbildungsförderung wissend, um Förderung z. B. für die Schülerhilfe nachfragen, Mittel aber nur in unzureichendem Umfang bereitgestellt oder ganz versagt werden, die Mittel aus Spenden weder vorn noch hinten dafür ausreichen.

Klar, die Schulen sollen das leisten und werden sicher auch ansehnliche Ergebnisse erzielen, nachdem nun hoffentlich alle aufgewacht sind und Staat und Land in diesen Bereich erheblich investieren wollen.  Das wird wieder Zeit dauern und in dieser Zeit geht wieder viel Potential, gehen viele heute junge, noch offene Lebensgeschichten verloren. Ganz sicher auch: die Eltern sind verstärkt für die Förderung der Kinder zu gewinnen und darin einzubinden.

Wir sind mit dem Institut vor Ort. Wir kennen das Umfeld und können im Zusammenwirken mit den muslimischen Vereinen Kinder, Jugendliche und Eltern gewinnen und zum Mittun veranlassen. Dabei geht es in erster Linie um den Spracherwerb. Die Sprache ist der Schlüssel für schulische Leistungen und für den Erfolg im Berufsleben. Sie hat aber auch große Bedeutung für das Zusammenwachsen der Gesellschaft. Kinder und Jugendliche aber besonders auch Erwachsene - Männer als auch Frauen - wagen sich auf Grund der Sprachbarriere nicht aus der Enge der meist religiös geprägten Gemeinschaft heraus.

Das Institut kann mit Lot(sin)en und Pat(inn)en Eltern an das Zusammenwirken mit Kindergärten und Schulen und an die Sprachkurse in der Stadt heranführen und so auch sonstige notwendige Hilfestellung anbieten.  

An dieser Stelle zwei Lese-Tipps zu Büchern, die sich mit dieser Thematik beschäftigen.

„Die Kraft der Ermutigung: Grundlagen und Beispiele zur Hilfe und Selbsthilfe“ von Jürg Frick. Mut für das Leben - dieses Buch zeigt, wie das geht! «Dem Mutigen gehört die Welt», sagt man. Doch oft ist es gar nicht so leicht, aufrecht und «frohen Mutes» durchs Leben zu gehen; es bedarf oftmals bei schwierigen Lebensumständen der «Kraft der Ermutigung». Das Buch zeigt: wie man selbst wieder neuen Mut fasst, wie Kinder und Jugendliche in der Schule, aber auch Erwachsene im Beruf und Alltag ermutigt werden können, wie nah Entmutigung und Ermutigung zusammenhängen,  welche wichtige Rolle der Humor bei der Ermutigung spielt, wie uns bei Ermutigung die Plastizität des Gehirns, unsere Selbstheilungskräfte und der persönliche Lebensstil helfen können.

Praxisnah veranschaulichen spannende Lebensgeschichten, z.B. von Charlie Chaplin, Ray Charles und Nelson Mandela, wie auch schwierige Lebensumstände durch Ermutigung gemeistert werden können und das Leben gelingen kann. Eine ausgewählte Sammlung anregender Sprüche und Zitate ergänzen den Text. Drei nützliche Fragebogen zur Selbst- und Fremdermutigung runden das Buch ab.

 

„Hier läuft alles irgendwie anders: PPC im Jugend-Kolleg am See“  von Beate Kreisle. Dieses Buch soll Anlass und Beitrag sein zur kreativen Auseinandersetzung im Bereich Erziehung. Es ist sowohl für den Praktiker gedacht, der viele Anregungen und konkretes Arbeitsmaterial findet als auch für die Vordenker auf dem Gebiet der Suche nach neuen Konzepten bei wachsenden Herausforderungen durch eine sich immer schneller in allen Dimensionen verändernde Gesellschaft. Jugendliche sind unsere Erwachsenen von Morgen. Deshalb ist es unsere Aufgabe, sie für dieses Morgen vorzubereiten und ihnen zur Seite zu stehen, wenn sie sich dieser Herausforderung stellen. Ehe aus Kindern Jugendliche werden, haben sie viele, darunter auch etliche traumatisierende Erfahrungen gesammelt und müssen trotz allem weiterhin Optimismus und Mut entwickeln, um sich jeden Tag wieder neu zu motivieren. PPC bietet dazu nachhaltig wirksame Ansätze, Vorgehensweisen und Einstellungen, die auch die Erwachsenen immer wieder zum Nachdenken bringen.

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