Die offene Moschee

Die offene Moschee:
Brücke hinaus ins Land zum Verstehen, zu Toleranz und Akzeptanz

Die Inhalte des seit 1997 immer weiter entwickelten Projektes „Offene Moschee“ bilden die Grundlage und den Rahmen der Institutsarbeit. Im Rahmen dieses in Deutschland einzigartigen Projektes wird das Ziel der interreligiösen Annäherung und der Aufklärung über den Islam praktisch umgesetzt.

Die ‚Offene Moschee’ bedeutet nicht nur die Begegnung zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen durch die Öffnung eines muslimischen Gotteshauses nach außen, sondern auch Aufklärung,  Information, Dialog über und mit der jeweils anderen Religion.

Ziele des Projektes sind die Schaffung von Offenheit, Akzeptanz und Annäherung zwischen Deutschen und Türken, zwischen Christen und Muslimen, die Förderung des interreligiösen und interkulturellen Dialogs, sowie die bessere Integration der islamischen Gemeinden in die  Mannheimer Zivilgesellschaft. Das Institut hat den Anfang gemacht, zwischen der größten Moschee Deutschlands und der Stadt Mannheim zu vermitteln. Heute, 2009, ist das Institut Mittler zwischen  allen  Moschee-Vereinen Mannheims und der Stadt-Verwaltung, den Schulen, Kirchen und politischen Parteien. Es übt eine Brückenfunktion aus,  berät die Aufnahmegesellschaft über den Islam und die Immigranten über die Gesellschaftsstruktur in Deutschland und insbesondere in der Metropol-Region.

Für eine Zukunft im Sinne eines friedvollen, kreativen und positiv gestalteten gemeinsamen Lebens in Deutschland bedarf es der Öffnung und der Begegnung beider Welten. Die Begegnung zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen in der Begegnungsstätte „Offene Moschee“ wirkt nach innen und nach außen: Das Institut führt im Rahmen des Projektes „Offene  Moschee“ Kurzseminare und Führungen zur Aufklärung  und Verbesserung der Kenntnisse über den Islam durch. Diskussionsforen über aktuelle Fragen und interreligiöse Begegnungen und Integration ergänzen diese Arbeit.

Über die Führungen und Kurzseminare  – insbesondere Führungen von Schulklassen und Jugendlichen -  werden viele Gruppen unserer Gesellschaft,  die dem Islam und den hier lebenden Türken aus Nichtwissen und Nichtverstehen eher mit Vorurteilen begegnen,  unmittelbar angesprochen und sensibilisiert.

Die Begegnungen wirken aber auch auf die Gemeindemitglieder der Moschee. Sie lernen, die Nicht-Muslime zu verstehen, zu tolerieren und zu respektieren. Mittlerweile ist es nichtmuslimischen Frauen gestattet, die Moschee ohne Kopfbedeckung zu besuchen. Nicht-Muslime dürfen dem muslimischen Gebet beiwohnen und beispielgebend werden interreligiöse Schulgottesdienste in der Moschee abgehalten. Das war und ist nicht selbstverständlich, das ist eine schöne Entwicklung aufeinander zu.

Es gelingt dem Institut, insbesondere Migrantenkinder aus der Türkei und anderen Ländern der muslimisch geprägten Regionen des Nahen Ostens für ein von Toleranz geprägtes Islamverständnis zu gewinnen. Auch Kinder der verschiedenen islamischen Glaubensrichtungen kommen mit ihren Schulklassen im Gebetssaal der Moschee zusammen, ebenso wie christliche und immer wieder auch jüdische Schülerinnen und Schüler.

Die Integrationsarbeit im Rahmen der „Begegnungsstätte Offene Moschee“ erweitert sich über die Kontakte, die bei den Führungen und Seminaren hergestellt werden.  So hat das Institut sich seit 1997 mit seinem christlich-islamischen Team als Wissensvermittler und Aufklärer nicht nur in der Moschee, sondern auch an vielen Schulen entwickeln können.

Stärkste Besuchergruppen sind Schülerinnen und Schüler aus dem Rhein-Neckar-Raum,  aus dem Großraum Frankfurt, der Pfalz, dem Odenwald, der Bergstraße und dem Großraum Stuttgart und Karlsruhe.  Würdenträger und Mitglieder christlicher kirchlicher Einrichtungen gehören ebenso zu den Interessenten wie Teilnehmer/innen aus der Evangelischen und Katholischen Erwachsenenbildung, aus Gemeinden und Priesterseminaren.

Islambeauftragte der Kirchen aus dem deutschsprachigen Raum und Mitarbeiter religionspädagogischer Institutionen kommen in die Moschee und zum Institut zur vertiefenden Information, ebenso Kommunalpolitiker, Bezirksverbandsvertreter, Mitglieder der unterschiedlichsten Vereine,  Seniorengruppen, Mitarbeiter der Industrie- und Handelskammern und Unternehmerverbände.

Am Islam interessierte Gruppen kommen von der Polizei, von Unternehmen und Organisationen, von Arbeitslosenorganisationen, von Universitäten, von Gewerkschaften und nicht zuletzt von den Medien. Journalisten von Zeitungen, Funk- und Fernsehanstalten aus ganz Deutschland haben die Moschee besucht und über die Arbeit des Instituts berichtet.

Bei einer fachkundigen Führung werden die architektonischen Besonderheiten und die verschiedenen Funktions-räume der Moschee und die Gestaltung des Gebetsraums vorgestellt.   Die Erläuterung der rituellen Waschung, der Bedeutung des muslimischen Gebets, der Ablauf des muslimischen Gottesdienstes, die Bedeutung und die Formen des Glaubens im täglichen Leben der Muslime, aber auch ein Überblick über historische Entwicklungen im Islam und die islamische Kultur bilden den Schwerpunkt der Führung.  Das muslimische Gebet wird demonstriert und erklärt. Oft ist auch der Ruf zum Gebet „Ädhän“ live hören, der dann ins Deutsche übersetzt wird. Wer möchte, kann dem muslimischen Gebet beiwohnen.

Zum Schluss der Führung steht der Moscheeführer den Gruppen in der Cafeteria der Moschee im Erdgeschoss für eine abschließende Frage- und Antwortrunde zur Verfügung. Zu solchen Gesprächsrunden wird Tee gereicht. Wenn gewünscht, kann die „Begegnung“ auch mit einem türkischen Essen abgerundet werden.

Oft schließt an die etwa einstündige Führung ein Kurzseminar an, in dem vertiefend über den Islam, die Kultur  und Lebensweise von Muslimen informiert wird und Raum für spezielle Fragen gegeben ist.

Zusätzlich zu den Moscheeführungen werden regelmäßig christlich-islamische Schulgottesdienste (in Kirchen und in der Moschee) abgehalten. Immer wieder werden auch Friedensaktionen mit Schulen geplant und durchgeführt. In Mannheim werden in mehreren Schulen seit 1995 jedes Jahr multireligiöse Schulgottesdienste und Morgenfeiern gemeinsam gehalten. Mit zunehmendem Interesse der Schulen in und um Mannheim setzt sich diese Tradition fort.

 

Aus der Reportage der Süddeutschen Zeitung vom 12. 9. 2008 zitiert:
Unter der Kuppel ist viel Platz

In Mannheim steht die größte Moschee des Landes, und umstritten war der Bau anfangs  auch hier.
Doch inzwischen funktioniert das Miteinander von Menschen und Konfessionen so gut, das andere Städte davon lernen möchten. Das Wichtigste scheint dabei zu sein, dass jeder mit jedem redet.

…. Es sind viele kleine Fäden, die da gespannt und miteinander verknüpft werden.  Sie verlaufen zwischen Seminaren und Workshops, zwischen Moscheevereinen und städtischen Ämtern, sie verbinden Aufklärung, Information und Begegnung,  und sie schließen auch  die Schüler mit ein, die zwecks Hausaufgabenhilfe bei Talat Kamran im Vorzimmer sitzen. … Bei ihm laufen die Fäden zusammen, die sich mal zum Netz verdichten sollen. So ist die Absicht, aber leicht wird es nicht werden, denn auch Mannheim weist viele jener Merkmale auf, wie sie typisch sind für den tristen Alltag von Muslimen und Nichtmuslimen in Deutschland.

…. Doch dann trifft man Orna Marhöfer und denkt, dass doch etwas grundsätzlich anders ist in Mannheim. Frau Marhöfer ist die Vorsitzende der jüdischen Gemeinde. Schon bei der „Meile der Religionen“ (Anm.: findet alle zwei Jahre statt) hatte man keine Berührungsängste, und offenbar hat man die auch sonst nicht. Jedenfalls wird der Festsaal der Synagoge immer mal wieder für muslimische Hochzeiten oder für Beschneidungsfeste vermietet. Einladungen von Moscheegemeinden zum Fastenbrechen nimmt Frau Marhöfer selbstverständlich an. Sie sagt, sie wolle auch weiterhin gern an diesem Modell des friedlichen Zusammenlebens mitarbeiten.

… Talat Kamran vertraut auf die Grundlagen, die man Mannheim die schon gelegt, auf die Strukturen, die man geschaffen hat, um Konflikte zu lösen. Er sagt: „Wenn wir es hier nicht schaffen, mit so einer Situation umzugehen, dann nirgendwo.“

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